WSET: Die erste Verkostung, Teil 2: Aromatische Weine

Der Begriff „aromatische Weine“ ist natürlich dehnbar, auch ein Riesling ist aromatisch, ein Chardonnay wohl nicht – aber wir haben ihn zur Abgrenzung des Blocks Traminer / Torrontes verwendet, weil diese Rebsorten (u.a.) noch einmal als besonders würzig-aromatisch hervortreten.

Die Verkostung

Das Setting unserer WeinverkostungWie im vorletzten Artikel schon angekündigt, zeigte der Abend aber auch gleich das erste Missgeschick. Nach einer ca. einstündigen Pause, um Gaumen und Nase Erholung zu geben – wir hatten ja zuvor die Sauvignon Blancs verkostet – mit einem kleinen Imbiss – Brot, Butter, dezent Beläge, um den Gaumen nicht zu irritieren, gingen wir an die Traminer und den Torrontes heran – so dachten wir zumindest.

Natürlich eine Blindverkostung

Die Weine waren natürlich schön in Hülsen verpackt, um unvoreingenommen verkosten zu können … so kamen die ersten beiden Weine zufällig ausgewählt auf den Tisch, eindeutig als Traminer zu erkennen. Dann kam der Dritte. Nein, das war kein Traminer – nun trinken wir nicht so häufig Torrontes, aber das konnten wir doch erkennen, das sich in der Flasche kein Wein dieser Rebsorte befinden konnte. Es zeigte sich ein Bild, ein Wein, der einfach nicht in dieses Spektrum passen wollte und der sich – wegen der sehr aromatischen Weine davor – fast geschmacklos zeigte und somit nicht seriös verkostet werden konnte, weil er einfach nicht zu dieser Reihe gehörte. Wie dieser Wein (es war ein Muscadet Sevre et Maine sur lie, den wir eigentlich in den Block „Sonstige Weißweine“ eingeordnet hatten, wo er dann doch auch noch seine korrekte Würdigung erfahren wird) den Weg von der Klimazelle im Weinkeller in den Kühlschrank in der Küche gefunden hatte können wir am Ende nicht mehr sagen, jedenfalls ließ er einen eigentlich für die Verkostung vorgesehenen Traminer einsam und verlassen dort zurück, sodass am Ende statt der geplanten 5 nur noch 4 Weine verkostet wurden, die ich im Folgenden vorstellen möchte:

1. Gewürztraminer, Eugen Spindler, Pfalz, Deutschland 2008

Im Glas ist der Wein klar, von Mittlerem goldgelb.
Die Nase ist sauber und sehr ausgeprägt mit Aromen nach süßen Früchten, nach Erdbeeren, grüner Feige und einer deutlichen Würznote.
Auf der Zunge zeigt sich der Wein an der Grenze zu halbtrocken, mit aber dennoch überraschender Säure, die im mittleren Bereich liegt und mittlerem Körper. Die Aromen der Nase werden im Mund durch andere ersetzt. Es zeigen sich Orangenzesten, Grapefruit, etwas weißer Pfeffer und eine – angenehme – Bitternote, die vor allem im langen Abgang deutlich hängen bleibt.
Alles in allem ein – vor allem in Hinblick auf seinen günstigen Preis – guter Gewürztraminer.

2. Klöcher Gewürztraminer „Roter Berg“, Weingut Müller, Steiermark, Österreich 2008

Vorab: der Wein bestätigt erneut, warum er bei der Traminer-Challenge von Fafga und Tiroler Sommelier Verein auf Schloss Kapfenstein (erste von drei Etappen), bei der auch meine Frau und ich in der Jury saßen, den ersten Platz belegt hat.
Im Glas ist er klar und von blassem zitronengelb.
Die Nase ist sauber, angenehm dezent und rund. Im Vordergrund stehen Orangenzesten und der für die Traminer aus Klöch so typische Rosenduft. Hinzu kommen Pfirsiche und Nektarinen. Einen sehr angenehmen Kontrast bilden mineralische Eindrücke und leichter Tabakduft.
Auf der Zunge seit sich der Wein frisch, leicht moussierend, halbtrocken und mit geringer Säure. Der Körper ist mittel bis kräftig.
Der Wein zeigt eine gewisse Würze, nach Muskatnuss und etwas Pfeffer, in Kombination mit sehr schönen Bitternoten wie von englischer Orangenmarmelade, in der noch Zesten vorhanden sind. Hinzu treten etwas Feige und Anklänge an exotische Früchte.
Der Abgang ist lang.
Ein sehr guter, wenn nicht gar hervorragender Wein.

3. Gewürztraminer „Hugel“, Hugel & Fils, Elsass, Frankreich 2008

Der Wein aus dem Elsass ist klar, blass, strohgelb, fast wässrig in der Farbe.
Dem dünnen Eindruck im Glas folgt aber eine überraschend ausgeprägte Nase. In der sehr sauberen Aromatik zeigt sich neben einer ausgeprägten Mineralik auch der Duft von Blüten und Bitternoten nach Grapefruit.
Im fast schon halbtrockenen Geschmack, der eine geringe Säure aufweist, finden sich neben den Noten aus der Nase auch ein Eindruck nach kandierten Rosenblättern, nach rotem Apfel und Passionsfrucht. Deutlich hervor tritt auch hier wieder die Grapefruit-Note, die den vollen Körper des Weines bestimmt.
Die Aromen zeigen sich aber schwer zu greifen es könnte noch viel mehr da sein, was man nicht so recht zu isolieren mag, was den Wein aber insgesamt zu einem finessenreichen Erlebnis werden lässt.
Der Abgang ist mittel und vor allem von den Bitternoten bestimmt, sehr angenehm.
Alles in allem ein sehr guter Vertreter seiner Art!

4. Torrontes de Cafayate, Michel Torino, Cafayate Valley, Argentinien 2010

Die Rebsorte Torrontes (oder genauer Torrontés Riojano – nicht zu verwechseln mit der in Spanien zum Beispiel in Montilla-Moriles oder Rias Baixas vorkommenden Rebsorte, die ebenfalls den Namen Torrontes trägt) ist eine in Deutschland noch recht unbekannt Rebsorte, die aber das Herzstück des argentinischen Weinbaus ausmacht. Einerseits erinnert sie an Muskateller (evtl. ist sie eine Kreuzung aus Criolla Chica x Muscat d’Alexandrie), andererseits ist sie aber auch für eigenständige, überraschende Weine gut, die wegen ihrer oft kräftigen Säure auch als „Crazy White“ bezeichnet werden.
Unser Exemplar bei dieser Probe zeigt sich im Glas klar von blassem Zitronengelb. Die Nase ist sauber, sehr ausgeprägt, sehr ungewöhnlich und interessant.
Es zeigen sich Aromen nahezu des ganzen Weinspektrums. Mineralische Noten, leichte Rauchigkeit, Früchte (v.a. Honigmelone), aber auch frischer Harz und Tabak.
Im Geschmack zeigt sich ein mittlerer Körper. Der Wein ist ausgesprochen trocken und wird von seiner hohen, kräftigen Säure bestimmt. Hier zeigen sich vor allem Aromen nach weißen Johannisbeeren, exotische Früchte und etwas Orange.
Der Abgang ist recht lang.
Trotz der Aromenvielfalt handelt es sich, wenn man die erste Überraschung erst einmal überwunden hat, um einen sehr zugänglichen, leicht zu trinkenden Wein von ordentlicher Qualität – trotz seines sehr niedrigen Preises.

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1 Kommentar

  1. Der Gewürztraminer wird meines erachtens viel zu wenig in halbtrocken bis mild/lieblich ausgebaut, denn dann erst entfaltet sich sein voller Geschmack, die Würze und die vollendete Frucht

    Comment: Horst – 15. Juli 2011 @ 21:59

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